Anton-Schneider-Straße 5
1926 bis 1980

Erinnerungen an eine Ära: Das Café WEISS in der Anton-Schneider-Straße 5, Bregenz.

Interviews - Erinnerungen von:

Hansjörg Baschnegger (besuchte das Café Weiss mit Großmutter Martina und Tante Fany)

Ingeborg Kopf (fuhr mit der Oma aus dem Bregenzerwald ins Café Weiss)

Walter Fink (las im Café Weiss Zeitung)

Siegfried Jandorek (arbeitete im Café Weiss als Konditorgeselle)

Das Neubeck

Vor rund 470 Jahren war in der „Oberen Gasse“ (der frühere Name der Anton-Schneider-Straße) die Bäckerei von Gallus Rehm untergebracht. Um 1850 kam das Haus zu seinem Namen, denn ein neuer Bäcker, der „Neubeck“ namens Gebhard Bechter, ließ einen Backofen in das Haus Nr. 5 einbauen. Kurz darauf wurden eine Gastwirtschaft und eine Bäckerei eröffnet.


Schon bald mauserte sich das „Neubeck“ zum Bregenzer Literaturcafé. Die Mundartdichter Gebhard Weiss und Kaspar Hagen gehörten zu den Stammgästen, wie auch der Uhrmacher und Optiker Präg, der Schuhmacher Ginthör oder der Kaufmann und Nadelfabrikant Weberbeck.


Als echte Stammtischhocker formierten sie sich zur Montagsgesellschaft „Zum Goldenen Neubeck“ zusammen, wo angeblich Witz und Frohsinn die Runde machten.

Das Café Weiss

Ausgangspunkt für das legendäre „Café Weiss“ ist das Jahr 1903: Emil Weiss (geb. 1876) meldet das Bäcker- und Konditorgewerbe an: „Zum Neubeck“. 1904 beantragt er die Lizenz zum Ausschank von „Gebranntem“, 1912 erhält er einen Gewerbeschein für den Cafébetrieb und 1932 - nach einem umfassenden Umbau 1926 – auch die Gast- und Schankgewerbe-Lizenz.


Es ist ein Café nach Altwiener Tradition mit Thonetstühlen und Marmortischen. Nach seinem Tod 1939 führt seine Frau Maria den Betrieb weiter, bis 1970 Tochter Emmy das „Café Weiss“ übernimmt und mit ihrer Familie weiterführt. 1980 endet die Ära des legendären „Café Weiss“.


Nicht nur von Bregenzer*innen und Tourist*innen aus der ganzen Welt wurde das Café Weiss gerne besucht, sondern auch während der Festspielzeit von Schauspieler*innen und Musiker*innen. So gehörten etwa Balletttänzer Willi Dirtl und Burgschauspieler Josef Meinrad zu den Stammgästen. Es war ein Treffpunkt für viele – persönlich, gemütlich und doch - damals schon gewissermaßen urban.